01.12.06 09:35

Gemeinsam gegen Aids

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag

Wir übernehmen Verantwortung – für uns selbst und andere

Das internationale Motto der diesjährigen Welt-Aids-Kampagne und des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember lautet „Stop AIDS. Keep the Promise!“.

Stop AIDS. Keep the Promise!“ – das internationale Motto der diesjährigen Welt-Aids-Kampagne und des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember erinnert Politiker in aller Welt an ihr auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen vom Juni 2001 gegebenes Versprechen, sich stärker im Kampf gegen die weltweite HIV-/Aids-Epidemie zu engagieren. Das deutsche Motto ergänzt: Nicht nur die Politik, sondern jeder Einzelne trägt Verantwortung für sich selbst und andere.

Rapper Samy Deluxe, Comedian Thomas Hermanns, Schauspieler Benno Fürmann und Moderatorin und Designerin Verona Pooth standen zum ersten Mal zusammen als prominente Botschafter der Welt-Aids-Tags-Kampagne 2006 vor der Kamera.Rapper Samy Deluxe, Comedian Thomas Hermanns, Schauspieler Benno Fürmann und Moderatorin und Designerin Verona Pooth standen zum ersten Mal zusammen als prominente Botschafter der Welt-Aids-Tags-Kampagne 2006 vor der Kamera.

Im Kampf gegen die HIV-Ausbreitung und für das Leben und die Gesundheit der Menschen, die davon besonders bedroht und betroffen sind, können wir aber nur zusammen etwas erreichen. Auch in diesem Jahr machen deshalb die drei großen Aids-Organisationen in Deutschland gemeinsam auf das Thema HIV und Aids aufmerksam. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Externer LinkBZgA), die Deutsche AIDS-Hilfe (Externer LinkDAH) und die Deutsche AIDS-Stiftung (Externer LinkDAS) haben dazu prominente Botschafter gewonnen, die selbst ein Beispiel für das Motto geben: Sie nehmen ihre Verantwortung als Vorbilder und Meinungsmacher wahr, zeigen in unterschiedlichen Bereichen Initiative und engagieren sich gemeinsam und mit vielen anderen für den Kampf gegen Aids und für Betroffene.

Verantwortung wahrnehmen, Initiative zeigen, gemeinsam handeln – das ist gerade beim Kampf gegen HIV und Aids entscheidend. Hier einige Beispiele:

Männer und Frauen

Rund die Hälfte der weltweit über 40 Millionen Menschen mit HIV und Aids sind Frauen. Für Frauen ist Sex ohne Kondom mit einem infizierten Mann statistisch gesehen etwa doppelt so gefährlich wie für Männer, die ungeschützten Sex mit einer HIV-infizierten Frau haben. Mindestens ebenso wichtig ist: Viele Frauen, die sich beim Sex vor einer HIV-Infektion schützen wollen, sind auf die Unterstützung der Männer angewiesen, denn der effektivste Schutz ist ein richtig angewendetes Kondom. Sehr viele Mädchen und Frauen können aber nicht selbst bestimmen, ob und wie beim Sex Maßnahmen zum Schutz vor HIV, anderen sexuell übertragbaren Krankheiten und unerwünschter Schwangerschaft ergriffen werden. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sie rechtlich, wirtschaftlich oder gefühlsmäßig von Männern abhängig sind. Wichtig ist daher auch, Männer darin zu unterstützen, ihre Verantwortung für sich selbst, ihre Partner/innen und ihre Familien wahrzunehmen.

Modell eines HI-Virus.Modell eines HI-Virus.

Arme und reiche Länder, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Heute leben mehr als 40 Mio. Menschen mit HIV und Aids – 95 % davon in Entwicklungsländern. Aber nur ein kleiner Bruchteil von ihnen bekommt – anders als in den Industrieländern – wirksame Medikamente gegen HIV. Hier sind Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam in der Pflicht – mehr als 8.000 Aids-Tote pro Tag sind eine Mahnung an uns alle. Aids bringt Leid über Millionen Familien, zerstört ganze Gesellschaften, macht mühsam erreichte Entwicklungsfortschritte zunichte.

Nach Angaben der WHO brauchen etwa 6 Mio. Menschen in den armen Ländern sofort HIV-Medikamente, aber nur ca. 700.000 bekommen sie. Das Ziel von Externer LinkWHO und UNAIDS, bis Ende 2005 drei Millionen Menschen zu behandeln, scheint nur schwer erreichbar. Von den dafür benötigten etwa 3 Mrd. Euro sind bisher erst 1,2 Mrd. Euro fest zugesagt (u. a. vom Externer LinkGlobalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, von Regierungen, dem PEPFAR-Programm der USA und der Weltbank). Und ebenso dringend wie für Medikamente und funktionierende Gesundheitssysteme wird Geld für Aufklärung, Prävention und die beschleunigte Forschung an Impfstoffen gebraucht.

Staat und NGOs/Selbsthilfe, besonders Betroffene und Allgemeinbevölkerung

Deutschland gibt im Kampf gegen HIV/Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten ein gutes Beispiel: Schon seit Mitte der 80er Jahre besteht bei uns eine erfolgreiche Arbeitsteilung zwischen der staatlichen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die sich mit ihren Maßnahmen in der Präventions-Kampagne Externer Link„Gib Aids keine Chance“ an die Allgemeinbevölkerung richtet, und der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH), die Präventionsangebote für besonders bedrohte und betroffene Gruppen entwickelt. Dazu gehören z. B. Männer, die Sex mit Männern haben, Drogengebraucher, Inhaftierte, Beschaffungs- und Zwangsprostituierte sowie Menschen aus Ländern, in denen HIV/Aids besonders weit verbreitet sind. Schon früh hat man bei uns erkannt: Selbsthilfeorganisationen sind unverzichtbar, weil sie den besten Zugang zu ihren Zielgruppen haben. Und Informations- und Aufklärungskampagnen für die gesamte Bevölkerung sind nicht zuletzt die Voraussetzung für die breite gesellschaftliche Akzeptanz der Präventionsbotschaften und dafür, dass die Prävention in einem Klima der Solidarität und ohne Diskriminierung wirksam werden kann.

Ergänzt werden die Aktivitäten der BZgA und DAH durch die Deutsche AIDS-Stiftung, die sich vor allem mit der sozialen Dimension von HIV/Aids befasst, etwa indem sie Einzelfallhilfen für Betroffene in Not leistet sowie Projekte für Menschen mit HIV und Aids in Deutschland und anderen Ländern unterstützt. Viele Infizierte oder Kranke können sich z. B. keine krankengerechte Ausstattung ihrer Wohnung leisten oder brauchen Zuschüsse für gesunde Ernährung oder eine dringend benötigte Erholungsreise.

Jung und Alt, Infizierte und Nichtinfizierte

Nach Jahren, in denen die Zahl der neu festgestellten HIV-Infektionen bei uns auf niedrigem Niveau etwa stabil blieb, ist in letzter Zeit ein leichter Anstieg bei Männern festzustellen, die Sex mit Männern habe – nach wie vor die am stärksten betroffene Gruppe. Dafür gibt es viele Gründe: Allgemein wird Aids bei uns heute nicht mehr als unmittelbare tödliche Gefahr wahrgenommen, sondern als behandelbare Krankheit, und manche halten sie fälschlicherweise sogar für heilbar. Dazu hat neben der Werbung für HIV-Medikamente sicher auch beigetragen, dass die Krankheit aufgrund der Therapiemöglichkeiten nicht mehr auf Anhieb zu erkennen ist und Jüngere den mit Aids verbundenen Schrecken oft nur vom Hörensagen kennen.

Ein weiterer Grund: Nach zwanzig Jahren Safer Sex gibt es bei manchem gewisse Ermüdungserscheinungen. Sex mit Kondom ist nie „selbstverständlich“ gewesen – schon gar nicht für schwule Männer, die sich um (Schwangerschafts-)Verhütung keine Gedanken machen mussten.

Mann sollte immer Kondome im Haus haben.Mann sollte immer Kondome im Haus haben.

Wenn nicht der Schutz vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten notwendig wäre, würden die meisten wohl gerne auf das Kondom verzichten. Auch individuelle Lebensverhältnisse spielen eine wichtige Rolle: Viele junge Menschen z. B. machen sich wenig Gedanken um ihre gesundheitliche Zukunft, wenn sie keine Berufsperspektive sehen, und mancher sieht wenig Anreiz, gesund alt zu werden, wenn seine oder ihre Vorstellung vom Alter eher negativ besetzt ist. Und nicht zuletzt muss Prävention neben dem Appell, sich selbst zu schützen, noch mehr als bisher auf die Verantwortung für den Schutz der anderen setzen müssen.

Selbsthilfe, professionelle Hilfe, Zivilgesellschaft, ehrenamtliches Engagement

Selbsthilfe kann oft früher und schneller auf neue Entwicklungen reagieren als professionelle Einrichtungen. Dennoch kann auf die Arbeit von professionellen Mitarbeitern nicht verzichtet werden, denn es wird immer Menschen geben, die sich (noch) nicht selbst helfen können. Unterstützt und ergänzt werden Selbsthilfe und Fremdhilfe durch vielfältiges Engagement der Zivilgesellschaft, insbesondere im ehrenamtlichen Bereich – in allen Altersgruppen, quer durch alle Schichten. Angesichts leerer Kassen und der Ausblendung und Bagatellisierung von HIV und Aids ist dieses freiwillige Engagement wichtiger denn je: Es macht Solidarität erfahrbar, trägt Ziele und Ideen in die Gesellschaft (z. B. die Anerkennung verschiedener Lebensweisen als gleichberechtigt), trägt zur Aufklärung und Information bei und ermöglicht ein umfangreiches und vielfältiges Unterstützungsangebot – von Sportgruppen bis hin zur persönlichen Begleitung von Menschen mit HIV und Aids.

Quelle: BZgA, DAH, DAS

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