Türkei
Aufklärung bei schwulem Ehrenmord gefordert
Der Partner des Opfers eines schwulen Ehrenmordes in der Türkei hat sich an den Lesben- und Schwulenverband gewandt und fordert eine Aufklärung des Verbrechens.
Abi (Name geändert) berichtet dem LSVD von Drohungen seitens männlicher Familienmitglieder im Vorfeld des Mordes. Auch habe die Familie es abgelehnt, die Leiche des Opfers abzuholen, was eindeutig auf einen Ehrenmord schließen lasse. Abi, der deutscher Staatsbürger ist, fürchtete nach dem Verbrechen selbst um Leib und Leben und wandte sich an das deutsche Konsulat. Dort habe man ihm alle nötige Unterstützung zukommen lassen. Unter Polizeischutz begab sich Abi zum Flughafen und verließ Istanbul in Richtung Deutschland. Vorher ist er von der Istanbuler Staatsanwaltschaft befragt worden. Die Leiche durfte er nicht in Empfang nehmen, weil er nicht mit dem Opfer verwandt gewesen sei. Wie er berichtet, habe ein Onkel die Leiche abgeholt und anonym bestatten lassen.
Abi selbst hat den
Mord an seinem Partner noch nicht verarbeitet, teilt der LSVD mit. Er kann nicht verstehen, warum ein junger, sympathischer, gut aussehender Mann, der dabei war, sein Physik-Studium abzuschließen, der finanziell auf eigenen Beinen stand und dem eine viel versprechende Zukunft bevor stand, Opfer eines blutrünstigen Mordes wurde, warum er nachts im Zentrum von Istanbul durch mehrere Schüsse mitten aus dem Leben gerissen wurde. Wer die tödlichen Schüsse abgefeuert hat, ist mehrere Wochen nach der Tat nicht bekannt.
Hintergründe
Abi besteht auf Verfolgung und Aufklärung des Verbrechens. Bis heute ist nicht geklärt, wer die Täter sind. Es kann nicht angehen, dass die Tat als Ehrenmord unter den Teppich gekehrt wird, dass die Täter straffrei ausgehen. „Die Täter müssen verfolgt, geschnappt und wie andere Mörder auch vor Gericht gestellt werden. Andernfalls droht vielen anderen Schwulen in Istanbul und der Türkei überhaupt das gleiche Schicksal.“ Zudem fordert Abi Aufklärung darüber, wo sein Lebensgefährte bestattet wurde. Seinen Freunden und Bekannten war es verwehrt an der Beerdigung teilzunehmen, Abschied zu nehmen und dem Freund die letzte Ehre zu erweisen. Gerne würden sie ihn auf dem Friedhof besuchen und Blumen an seinem Grab niederlegen, doch sie wissen nicht, wo Ahmet begraben wurde.
Von den hiesigen Polizeibehörden verlangt Abi, dass seine Lage ernst genommen wird, dass zumindest die bedrohliche Lage, in der er sich befindet, zur Kenntnis genommen wird. Über die Istanbuler Polizei kann er nicht viel Gutes berichten. Vor einem Jahr wurde er Zeuge, wie die Polizei Razzien in Schwulenkneipen wie Tekyön und Pasam durchführte und brutal gegen die schwulen Gäste vorging. Immer wieder kommt es in Istanbul zu Willkürmaßnahmen gegen schwule Einrichtungen und Lokale, Personenkontrollen finden statt, persönliche Daten werden notiert.
Abi kennt und schätzt die Arbeit der kürzlich verbotenen Lesben- und Schwulenorganisation Lambdaistanbul, bei der auch Ahmet Yildiz mitgearbeitet hat. Seit vielen Jahren bietet die Organisation in der Millionenstadt Istanbul einen Platz, an dem sich Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender treffen, austauschen und informieren können. Hier wird Beratung und Unterstützung bei gewaltsamen Übergriffen angeboten. Über 50 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen für ein tägliches Angebot. Lambdaistanbul, so Abi, leiste wertvolle Aufklärungs- und Akzeptanzarbeit, verfüge aber kaum über finanzielle Mittel und sei auf Spenden angewiesen, „diese sind dort gut aufgehoben“, sagt Abi.
Spendenaufruf
Spenden an
Lambdaistanbul leitet die Hirschfeld-Eddy-Stiftung eins zu eins weiter.
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