1881 Leser 0 Kommentare
28.05.08 15:00 Thorsten Dütsch

Nationalsozialismus

Homo-Mahnmal in Berlin eingeweiht

Vor rund 400 geladenen Gästen ist am Dienstag das Mahnmal für die von den Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen eingeweiht worden.

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Homosexuellen (Computersimulation). Foto: epdDenkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Homosexuellen (Computersimulation). Foto: epd

Das Denkmal soll laut Beschluss des Bundestages aus dem Jahr 2003 die verfolgten und ermordeten Opfer ehren, die Erinnerung an das Unrecht wach halten sowie ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen. Das Denkmal gegenüber des Berliner Tiergartens hat die Form eines schlichten Kubus. In eine Ecke des Kubus ist ein Fenster eingeschnitten, durch das der Betrachter auf die Filmprojektion einer endlosen Kussszene zweier Männer sieht. Um auch der Opfergruppe der Lesben gerecht zu werden, wird die Sequenz in zwei Jahren durch eine entsprechende Szene sich küssender Frauen ersetzt.

Lesben wurden in der NS-Zeit zwar nicht strafrechlich verfolgt, dennoch waren sie Repressionen ausgesetzt, ihre Lebenswelten wurden zerschlagen und ihre Lebensweisen unterdrückt. Während des NS-Regimes sind 50.000 Schwule verurteilt worden, tausende Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt. Ein großer Teil von ihnen überlebte den NS-Terror nicht.

Positives Echo auf Einweihung des Homo-Mahnmals

Der Bundesvorsitzende der Lesben und Schwulen in der Union, Reinhard Thole bezeichnete die Gleichberechtigung und die Akzeptanz von Homosexuellen als eine tägliche Verpflichtung für uns alle. Kultur-Staatsminister Naumann sagte in seiner Rede: „Es ist auch und vor allem Ausdruck unserer Überzeugung, dass in unserem Land die Diskriminierung von Homosexuellen, von Andersdenkenden und Anderslebenden keinen Platz haben darf. Uns daran beständig zu erinnern, ist Aufgabe dieses Denkmals.“ Zugleich merkte er an, dass die Einweihung des Denkmals „in der Tat sehr spät“ erfolgt sei.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn bezeichnete die Auseinandersetzung mit Homophobie als eine dauerhafte Aufgabe.

Für den Grünen-Politiker Volker Beck wäre es wünschenswert, wenn das Denkmal zum festen Bestandteil des Besuchsprogramms für ausländische Delegationen gemacht würde. Gerade Gäste aus Ländern, die heute noch Homosexuelle verfolgen oder mit dem Tode bestrafen, könne so gezeigt werden, dass und wie wir gelernt haben die Menschenrechte von Lesben und Schwulen zu respektieren. Dies könne ein wichtiger Impuls unserer Menschenrechtspolitik für Homosexuelle sein“, erklärt Beck.

Für Barbara Höll von der Linken ist die Einweihung des Denkmals nur ein Anfang. Sie erinnert die Bundesregierung daran, das Institut für Sexualwissenschaften wieder aufzubauen. Das hatte der Bundestag 2003 beschlossen. Die Nationalsozialisten hatten das Institut des Externer Linkschwulen Wissenschaftlers Magnus Hirschfeld 1933 zerstört.

PRIDE1aktuell – stündlich einfach besser informiert

Schreibe den ersten Leserkommentar zu diesem Artikel

Zu diesem Artikel hat noch niemand einen Leserkommentar geschrieben. Um selbst einen Kommentar zu schreiben, musst du eingeloggt sein.