Homophobie-Studie
Einwandererkinder sind besonders schwulenfeindlich
Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Uni Kiel durchgeführte Studie zu „Einstellungen zur Homosexualität“, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.
Plakat des Lesben- und Schwulenverbandes: „Sie gehören zu uns. Jederzeit“
Bei der vom Bundesfamilienministerium finanzierten Untersuchung wurden im Sommer 2006 knapp 1000 Berliner Schüler befragt. Die Studie vergleicht die Einstellung deutscher Jugendlicher gegenüber Homosexuellen mit der von Jugendlichen mit türkischen und russischen Wurzeln.
Die tief empfundene Abneigung werde nicht allein von Religiosität geprägt, sondern auch von traditionellen Männlichkeitsnormen, sagte Studienleiter Simon. Mehr als drei Viertel der türkischen Jugendlichen empfinden einen Kuss zwischen zwei Männern als abstoßend. Ähnlich verhält es sich bei der Gruppe der Jugendlichen aus Staaten der ehemaligen UdSSR. 50 Prozent der männlichen türkischen Jugendlichen würden zu schwulen Nachbarn lieber keinen Kontakt haben - bei den Deutschen sind es nur 16 Prozent.
Bessere Integration hilft Vorurteile abbauen
Die Studie zeigt auch direkte Ansätze auf, wie das Problem gelöst werden kann: So war die Homosexuellenfeindlichkeit bei Jugendlichen, die sich gut in die Gesellschaft integriert fühlen, geringer ausgeprägt. Und persönliche Kontakte zu Schwulen und Lesben tragen zum Abbau von Vorurteilen bei. „Die Befunde der Studie sind alarmierend“, sagte Günter Dworek vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD). „Sie verweisen auf die Bedeutung von Religiosität und traditionellen Männlichkeitsnormen für die Prägung antihomosexueller Einstellungen.“
Ausländische Homosexuelle haben es besonders schwer
Er warnte davor, die Homosexuellenfeindlichkeit als Bagatelle abzutun. Sie führe vielmehr zu negativen Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander. „Besonders hart trifft es Schwule und Lesben mit Migrationshintergrund. Durch massive Ablehnung in ihrer Herkunftsgruppe wird ihnen ein selbstbestimmtes Leben oft weitaus schwerer gemacht als Lesben und Schwulen im Allgemeinen“, so Dworek weiter.
Quelle: LSVD
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