Die Natur hat Mann und Frau für einander geschaffen. Allein die Geschlechtsorgane! Sie passen genau zusammen. Warum sonst gibt es zwei verschiedene Geschlechter, wenn die Natur es nicht so gewollt hätte?
Was wäre, wenn alle so wären? Wir würden aussterben!
das Letztere ist natürlich Quatsch! Man kann doch nicht gegen etwas sein, nur weil es schlimme Konsequenzen hätte, wenn alle so wären. Wenn alle Menschen Programmierer wären, würden wir verhungern, weil nichts Essbares produziert würde. Wenn alle Menschen in Köln wohnen würden, müssten wir in mehreren Schichten gestapelt liegen und würden bald im Chaos kaputt gehen. Sollte deswegen verboten werden Programmierer zu werden oder in Köln zu leben?
Nicht ganz so einfach ist es mit dem ersten Argument. Immerhin stimmt es, dass die Geschlechtsorgane von Mann und Frau wie füreinander geschaffen zusammenpassen. Müssen sie auch, denn sonst wäre die Zeugung von Kindern sehr schwierig (sieht man mal von der künstlichen Befruchtung ab). Zeugung ist allerdings nur ein relativ seltener Vorgang im Leben eines Menschen. Im Allgemeinen haben auch Heterosexuelle schlichtweg aus Spaß an der Sache miteinander Sex. Nur wer die Fortpflanzung als einzigen Zweck der Sexualität ansieht, kann behaupten, allein der heterosexuelle Geschlechtsverkehr sei natürlich.
Dann wäre aber alles andere zwischen Mann und Frau gleichermaßen unnatürlich, vom Petting bis zur Französischen Liebe.
Die Natur hat den Menschen die Lust an der Sexualität mitgegeben und wir sollten sie in vollen Zügen genießen. Das ist natürlich.
Mit einer angeblichen Natur des Menschen wird lediglich abgesichert, was gesellschaftlich erwünscht ist. In anderen Kulturen ist anderes erwünscht und prompt ist dieses andere dort natürlich.
Bei den Griechen hatten viele Männer sexuelle Beziehungen zu Jungen. Bei den Lepschas in Indien ist Geschlechtsverkehr zwischen erwachsenen Männern und Mädchen ab 6 Jahren üblich. Fast in allen von Völkerkundlern untersuchten Volksstämmen ist es Gang und Gäbe kleinen Kindern die Geschlechtsorgane zu streicheln um sie zu beruhigen und ihnen Lust zu bereiten. Die Arapesh auf Neuguinea halten es für natürlich, dass Männer und Frauen gleichermaßen ein Verhalten an den Tag legen, welches bei uns als weiblich verstanden wird: friedfertig, hilfsbereit und verständnisvoll gegenüber den Bedürfnissen anderer Menschen. Die Mundugumor, ebenfalls ein Stamm auf Neuguinea, halten es für natürlich, wenn Frauen und Männer rücksichtslos und gewalttätig sind. Bei einem 3. Volk, den Tschambuli, sind sogar die Rollen von Mann und Frau vertauscht. Dort entspricht es der Natur der Frau sachlich und aktiv zu sein, während die Natur der Männer Passivität, Zartgefühl und Mütterlichkeit ist.
Und nun halt dich fest. Denn jetzt kommt die größte Überraschung für uns Mitglieder einer Hetro-Welt: das Geschlechtsleben der Marind-Anim auf Neuguinea war ausschließlich homosexuell, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Die einmal im Jahr stattfindene Paarung zwischen Frauen und Männern diente lediglich dem Zeugen von Nachkommen. Dieser heterosexuelle Geschlechtsverkehr war für die Marind-Anim eine so ekelerregende Abartigkeit, dass die Männer mit schöner Regelmäßigkeit impotent waren. Die Marind-Anim waren der Ansicht, dass kein Mann je heterosexuelle Bedürfnisse haben könnte und keine Frau auch nur das geringste Verlangen nach Sex mit einem Mann. Man brachte bei der jährlichen Paarung den Göttern Menschenopfer, damit die Männer potent würden und beide Geschlechter den Ekel vor dem anderen überwinden könnten. Homosexualität war für sie das Natürlichste auf der Welt.
| Die Heterogesellschaft im Dauer Scheibenkleister | 24.04.2009 |
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