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Die Beziehungen halten nicht lange

Einige Menschen halten viel von langen Beziehungen. Im Grunde ist für sie eine Beziehung nur dann etwas wert, wenn sie lebenslang dauert. Das Vorbild ist die Ehe. Nun gut, das ist die allgemein verbreitete Beziehungsform bei Heterosexuellen.

Fraglich ist allerdings, ob die Dauer wirklich ein so wichtiges Gütezeichen ist. Sollten wir nicht lieber danach fragen, wie gut die Beziehung ist, wie viel Zufriedenheit und Geborgenheit, wie viel Möglichkeiten persönlicher Entfaltung sie bietet?

Dauer als wichtigstes Kriterium einer Beziehung lässt unberücksichtigt, dass oftmals irgendwelche Zwänge zwei Menschen beieinander bleiben lassen, die sich eigentlich nichts mehr zu sagen haben und mehr unter der Beziehung leiden als sie genießen: kirchliche Verbote und gesellschaftliche Diskriminierung von Scheidungen, das Vorhandensein von Kindern, die Angst vor dem Alleinsein, finanzielle Abhängigkeit usw.

Dauer an sich ist meiner Meinung nach deshalb nicht im mindesten positiv. Trotzdem wünscht sich wohl jeder von uns ? ob hetero- oder homosexuell ? eine engere Beziehung zu einem oder mehreren Menschen. Dieser Wunsch wird uns ja auch von klein auf eingeimpft. Nur so können wir glücklich werden. Aber lassen wir mal die Gründe für dieses Bedürfnis beiseite. Tatsache ist der Wunsch nach dauerhaften Beziehungen auch bei Homosexuellen.

Stimmt es denn überhaupt, dass Homosexuelle ständig ihre Partner wechseln und keine längeren Beziehungen haben? Diese Behauptung ist eine pure Erfindung. Alle bisher gemachten Untersuchungen ergeben, dass fast alle, die sich als schwul oder lesbisch verstehen, fest befreundet sind oder es zumindest mal waren. An diesem Punkt sollte jedoch zwischen männlichen und weiblichen Homosexuellen unterschieden werden. Weibliche Homosexuelle sind zu einem größeren Prozentsatz fest befreundet, ihre Beziehungen dauern länger und sie sind im Großen und Ganzen treuer als männliche Homosexuelle. Wie kommt das?

Lesben werden wie alle anderen Frauen dazu erzogen treu zu sein, verständnisvoll auf die Bedürfnisse anderer einzugehen und sich nur in der Rolle als Partnerin wohlzufühlen. Weil die Frau als Ehefrau, Hausfrau und Mutter gebraucht wird, zerstört man jegliche eigenständige Persönlichkeitsentwicklung bei Mädchen, sodass sie am Ende ihre eigene Existenzmöglichkeit in der Fürsorge und Arbeit für eine andere Person ? in der Regel einen Mann ? erwarten. Diejenigen Lesben, die schon als Kind die Mädchenrolle ablehnten, mögen sich ein Stück weiter von dieser Vorstellung emanzipiert haben, völlig entrinnen können auch sie ihr nicht. Positiv gewendet bedeutet das: Lesben bringen in großem Ausmaß jene Eigenschaften in die Beziehung, die diese dauerhaft machen können ? weniger Konkurrenzdenken, dafür Geduld und Einfühlungsvermögen. Für die meisten besteht außerdem kaum das Bedürfnis nach sexuellen Erlebnissen ohne Liebe, folglich gibt es weniger Seitensprünge.

Schwule sind dagegen halt Männer. Und als solche erzogen: Männer dürfen ruhig sexuelle Beziehungen zu wechselnden Partnerinnen haben ohne dafür schief angesehen zu werden. Ganz im Gegenteil gilt es in Stammtischrunden als ausgesprochen bewunderungswürdig mit den neuesten Eroberungen zu prahlen. Viele Weiber ? viel Ehr. So will es die Doppelmoral.

Männer erzieht man zur Konkurrenz untereinander, zu Rücksichtslosigkeit und Entdeckergeist. Einfühlungsvermögen brauchen sie nicht, dafür hat in der Ehe die Frau zu sorgen. Im Berufsleben würde es nur stören.

Treffen nun 2 Männer aufeinander, dann geht die übliche Rechnung nicht auf. Es ist keine Frau als Partnerin mit den entsprechenden Eigenschaften da, sondern ein Mann, der ebenfalls auf Partnerschaft mit Frauen trainiert wurde. Es ist eigentlich eher ein Wunder, wenn zwischen Männern überhaupt längere Beziehungen hinhauen. Hierfür dürfte vorwiegend die mangelnde „Männlichkeit“ verantwortlich sein, die homosexuellen Männern ein gewisses Maß an „weiblichen“ Verhaltensweisen erlaubt.

Festzuhalten bleibt: Schwule sind ? wie alle Männer ? schneller bereit Beziehungen abzubrechen und neue aufzunehmen. Einzig auf sie trifft in gewisser Weise die Aussage zu, dass Homosexuelle weniger lange Freundschaften haben.

Wird das auch in Zukunft so bleiben? Ich meine nein. Die meisten Schwulen wollen längere Freundschaften. Dazu müsste sich indessen einiges ändern. So lange Schwule gezwungen sind sich vorwiegend in Bars, Parks und Saunen kennenzulernen, wo die sexuelle Anziehungskraft einziger Auslöser für das Kennenlernen ist, so lange werden Beziehungen wieder abgebrochen, wenn diese Anziehung nachlässt. So lange Schwule auf Grund der gesellschaftlichen Ächtung wenig Selbstvertrauen und damit gleichzeitig wenig Respekt vor anderen Schwulen haben, gehen Freundschaften zwischen ihnen leichter kaputt. Und so lange die Gesellschaft homosexuelle Beziehungen nicht akzeptiert, so lange bleibt es beinahe eine übermenschliche Anstrengung derartige Beziehungen über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten.

Kein neuer Beitrag Die Heterogesellschaft im Dauer Scheibenkleister AusgetretenPit 24.04.2009
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