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Mit wem kann ich darüber reden?

Setze dich nicht unter den Druck, mit anderen über dich reden zu müssen, wenn du es nicht selbst möchtest. Reden kann helfen, dir über Dinge klar zu werden ? aber am Anfang steht immer die Auseinandersetzung mit dir selbst.

Bleibt die Frage aber über lange Zeit hin Thema für dich, stellst du fest, dass dich deine mögliche Homosexualität ständig beschäftigt und du selbst nicht mehr weißt, wie du jetzt weitermachen sollst, dann sprich mit jemandem, dem du wirklich vertraust. Einem Freund, einer Freundin, Geschwistern, LehrerInnen, JugendgruppenleierInnen, PfarrerInnen. Vielleicht auch gleich mit deinen Eltern, je nachdem, wie gut euer Vertrauensverhältnis ist.

Sehr sinnvoll ist der Kontakt zu einer Schwulen-Gruppe oder ?Organisation. Die haben meist geschultes und erfahrenes Personal, das kompetent bei allen Fragen und Problemen, die mit dem Coming-out zu tun haben, helfen kann. Die Hürde, die du überwinden musst, um dort anzurufen oder sogar gleich hinzugehen, ist zugegebenermaßen für die meisten jungen Schwulen hoch. Dennoch lohnt es sich fast immer sie zu überwinden. Du wärst im Übrigen nicht der Erste, der dreimal um den Block geht, bevor er sich zum ersten Mal in ein schwules Kommunikationszentrum traut.

Auch wenn du einem Kulturkreis oder einer Religionsgemeinschaft angehörst, die besondere Schwierigkeiten mit Homosexualität haben, wenn du also zum Beispiel aus einer streng katholischen oder muslimischen Familie kommst, findest du dort Hilfe und Informationen

Der wichtigste und zugleich schwierigste Teil des Coming-out ist für die meisten jungen Schwulen das Gespräch mit den Eltern. Überlege dir gut, wann du diese Unterhaltung in Angriff nehmen willst, wenn du davon ausgehst, dass deine Eltern Schwierigkeiten mit deinem Schwulsein haben könnten. Informiere dich möglichst vorher, indem du einen oder mehrere der einschlägigen Coming-out Ratgeber liest, vielleicht auch gleich einen für deine Eltern besorgst. Es gibt Bücher, die sich speziell mit der Eltern-Perspektive des Coming-out beschäftigen.

Ebenso gibt es eine Reihe von kostenlosen Broschüren, die dich und deine Eltern informieren. Du erhältst diese Broschüren bei der Deutschen Aids-Hilfe und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Außerdem solltest du dir sicher sein, dass du eine Person deines Vertrauens kennst, mit der du sprechen kannst, falls deine Eltern verständnislos oder ablehnend reagieren. Es ist wichtig, dass du irgendwo Rückhalt hast. Denn Eltern werden oft eine Menge Gründe anführen, warum du doch nicht schwul bist, es sich vielleicht nur um eine Phase handelt, du dich da in etwas reinredest, der Familie keine „Schande“ machen darfst und so fort.

Daher das Allerwichtigste: Rede nicht mit deinen Eltern, bevor du dich nicht gründlich mit dir selbst beschäftigt hast und dir deines Schwulseins sehr sicher bist. Ist das nicht der Fall, besteht noch keine Notwendigkeit, dich mit deinen Eltern zu unterhalten ? es sei denn, Euer Verhältnis ist ohnehin sehr eng und vertraut. Die Verunsicherung und die Schuldgefühle, die Eltern in einem jungen Schwulen hervorrufen können, sind in vielen Fällen beträchtlich. Mute sie dir nicht zu, wenn keine unmittelbare Notwendigkeit dafür besteht.

Auf der anderen Seite darfst du aber auch eines nicht vergessen, wenn dich die Kommentare oder das Entsetzen deiner Eltern verletzen und entmutigen: du beschäftigst dich seit geraumer Zeit mit deiner Sexualität, deinem Anderssein, der Tatsache, dass du zu deinen Neigungen und Gefühlen auch in der Öffentlichkeit stehen willst. Es sind Monate, oft Jahre vergangen, seit dir zum ersten Mal der Gedanke kam, dass du vielleicht auf Jungs statt auf Mädchen stehst.

Deine Eltern aber werden meist innerhalb weniger Minuten mit der ganzen Sache konfrontiert. Auch wenn du denkst, es sei unmöglich, dass sie von deinem ganzen inneren Kampf um Selbsterkenntnis und Selbstbewusstsein nicht gemerkt haben können: Ebenso, wie du eine Zeit lang glaubtest, die offensichtlichen Anzeichen ignorieren zu können, wählen auch Eltern gerne den Weg des Verdrängens, der Hoffnung, dass das „schon wieder vorbeigehen wird“. Verlange nicht von ihnen, einen Prozess innerhalb kürzester Zeit durchzumachen, für den auch du sehr lange gebraucht hast. Gib ihnen ein bisschen Zeit, alles zu verarbeiten.

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