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Gibt es Schwule in meiner Umgebung?

Dadurch, dass in den letzten Jahren Schwulsein verstärkt von den Medien, gerade auch vom Fernsehen, behandelt wird, ist dir klar, dass du nicht der Einzige bist. Studien gehen davon aus, dass ca. 10% der Bevölkerung homosexuell sind, also 10% der Männer schwul, 10% der Frauen lesbisch.

Sicherlich ist die Konzentration in den Großstädten höher als in der Provinz. Viele Homosexuelle versuchen, ihren konservativen und manchmal intoleranten Dörfern und Kleinstädten zu entkommen und ziehen in die Stadt. Dort besteht dementsprechend auch ein größeres Angebot für Schwule und Lesben.

Eine ganze Reihe von Schwulen fühlt sich aber auch sehr wohl in ihren ländlichen Heimatorten, wo sie offen schwul und anerkannt von ihrer Umgebung leben. Der Umzug in die Metropolen ist also nicht für jeden der einzig richtige Weg.

Mache dir klar, dass in jeder Gruppe, in der du dich befindest, potentiell 10% der Jungs schwul sind. In einer Fußballmannschaft einer bis zwei, in einem Chor von 25 Männern zwei bis drei, in einer Jahrgangsstufe mit 40 Jungs vier, und so fort. Du stellst fest: Wo immer du bist ? du bist nicht allein.

Im Fernsehen ? vor allem in den täglichen Serien und Talk Shows ? sind Schwule relativ häufig vertreten. Problematisch ist dabei aber, dass die wirklichen Schwierigkeiten eines Coming-outs ? wie sag’ ich’s meinen Eltern, was mache ich, wenn Freunde komisch reagieren? ? kaum behandelt werden. Dennoch leisten diese Fernsehprogramme immerhin, dass Schwulsein im Bewusstsein der Öffentlichkeit, vor allem junger Menschen also, normal und weit verbreitet verankert wird.

Jugendliche wachsen heute mit dem Wissen auf, dass es Schwule und Lesben gibt, und dass es sich dabei nicht nur um Drag Queens (Männer, die ab und zu Frauenkleider tragen), Lederkerle und Modebübchen handelt. Offen schwule Prominente und schwule Charaktere in Serien dienen als „Role Models“. Das sind Persönlichkeiten, mit denen junge Schwule sich auseinandersetzen können, die ihnen manchmal als Vorbild dienen. Sie bieten Orientierung. Diesen Vorteil hatten frühere Generationen von Schwulen nicht. Die Gesellschaft ignorierte die Existenz von Homosexualität, und Schwule und Lesben hielten sich daran; an ein Coming-out war nicht zu denken.

Auch die Info-Seiten von Jugendmagazinen wie „Bravo“, „Popcorn“, „Mädchen“ und ähnliche enthalten oft Informationen über Homosexualität. Dennoch: All das nimmt es dir nicht ab, dein Coming-out selbst durchzuziehen.

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