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Kein neuer BeitragPulverfass Gefängnis
AusgetretenCrow
18.11.2006 03:28

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Gefährliche Subkulturen, glasharte Hierarchien und noch härtere Drogen.

Im Strafvollzug fehlt das Geld für Personal und das wiederum zum Reden


Ruhrgebiet. Schon 2002 hat Joachim Walter in einem Aufsatz beschrieben, was gerade richtig schiefgeht. Von Überbelegung, Personalmangel und wachsender Gewalt berichtet der Leiter des Jugendgefängnisses Adelsheim da und fragt: "Wie sollen Wiederkehrer getrennt werden von jungen Erstverbüßern, besonders durchsetzungsfähige Gefangene von Opfertypen? Wie soll verhindert werden, dass ethnische Gruppierungen eine gefährliche Subkultur bilden und dass Schwächere unterdrückt werden?" Vier Jahre später ist die Antwort klar: Niemand verhindert es.

Der Mord in Siegburg ist beispiellos. Aber kein Experte würde sagen, er sei vom Himmel gefallen: einem heiteren Himmel der Jugendgefängnisse, in denen nach Kräften erzogen, ausgebildet und resozialisiert wird - wie es das Ideal verlangt. "Behandlung und Resozialisierung von Strafgefangenen haben in unserem Land ein anerkannt hohes Niveau", sagt etwa die NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU).

Aber es muss zwei Nordrhein-Westfalen geben.

Der Heiligenhauser Rechtsanwalt Christoph Pipping etwa kennt eines, in dessen Jugendgefängnissen Banden das Regiment über die Häftlinge führen: "Erpressung, Vergewaltigung unter Männern, Drogenhandel, Raub von Taschengeld und Zigaretten", zählt er auf und berichtet von Beamten, die über Straftaten hinwegsähen aus Angst um ihre eigene Unversehrtheit.

Pipping selbst hat einen Mandanten in Siegburg, den 21-jährigen Silvio O.; und Pipping dachte, es sei ein Fortschritt, als O. hierhin verlegt wurde, wo vor allem Jugendliche und junge Männer sind. Aber schon bald habe ein Sozialarbeiter ihn angerufen: O. sei "ein Spielball anderer Häftlinge", man versuche ihn abzuschirmen, habe aber nicht genug Personal. "Heute habe ich Angst, dass er bis zur Entlassung nicht gut über die Runden kommt", sagt Pipping: "Die werden jetzt natürlich unter größter Beobachtung stehen, aber im Zweifel passiert was in der nächsten JVA."

Siegburg geschah am Samstag. Vor vier Wochen geschah, dass zwei junge Männer einen Beamten im Gefängnis Hövelhof mit einem Kantholz bewusstlos schlugen und würgten. Vor drei Monaten geschah, dass in Herford ein Gefangener einem andern eine Schere an den Hals hielt und ihn zwang zum Oralsex. Spontan fällt Klaus Jäkel noch eine " Beinah-Geiselnahme am Wochenende in Kleve" und schwere Körperverletzung im August in Aachen ein.

"Die Gefängnisse werden zu Pulverfässern", sagt Jäckel, der Landesvorsitzende des "Bundes der Strafvollzugsbediensteten": "Es fehlt das Geld." In 38 Dienstjahren habe er "oft in Gesprächen mit Gefangenen erfahren, wer etwas plant, und das wurde dann verhindert. Heute haben Sie kein Personal mehr zum Reden." In den fünf überbelegten NRW-Jugendgefängnissen mit 1450 Insassen seien vor allem Russlanddeutsche ein Problem: "Sie sind gewalttätiger und schlagen schneller zu. Sie organisieren sich in einer glasharten Hierarchie und halten nach außen dicht." Nach Deutschland geholt, alleingelassen, ohne sie Deutsch zu lehren, chancenlos auf dem Arbeitsmarkt: Wundert sich jemand? Hinzu kommt: Viele Gewaltaten unter Gefangenen werden gar nicht erst bekannt - und wer sich beschwert, hat erst recht ein Problem.

Die Diplomandin Angela Paetz hat geforscht über Strafvollzugsbeamte; "innere Kündigung, Ausgebranntheit oder traumatische Belastungen aus alltäglichen Dienstsituationen" hat sie entdeckt. Allein in NRW gingen jährlich 150 bis 200 vorzeitig in den Ruhestand; psychische Erkrankungen nähmen zu, und das Alter der Betreffenden sinke: "Immer häufiger quittieren 35- bis 50-Jährige den Dienst."

Pipping, der Anwalt aus Heiligenhaus, hat noch einen zweiten Mandanten in Siegburg. Einen, von dem er hoffte, er bekomme hinter Gittern seine Sucht in den Griff. Doch für einen Entzug fand sich kein Kostenträger, es geschah das Gegenteil: "Nach einer Woche im Gefängnis", so Pipping, "besaß er harte Drogen."

Das Gefängnis selbst gibt sich seit dem Skandal noch verschlossener. Auf seiner Internet-Seite findet sich der ungewöhnliche Verweis "Presse über uns". Doch klickt man die Seite an, steht dort allen Ernstes: "Aktuelle Pressemeldungen liegen zurzeit nicht vor."

Und die Behandlung von Strafgefangenen in NRW hat ein anerkannt hohes Niveau."O. ist ein Spielball anderer Häftlinge"


16.11.2006   Von Hubert Wolf (WAZ)
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Ausgetretenguylord
18.11.2006 15:12

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Das dies kein Einzelfall ist, sollte uns doch nicht verwundern ! Hier wurde
eindeutig, von beiden Seiten,Mist gebaut.(spez. Fall Siegburg)
Warum sperrt man junge Menschen einfach ein anstatt Ihnen Gelegenheit zu geben, ihren angerichteten Schaden, wieder gut zu machen ? Mit Auflagen, sich jeden Tag bei der Polizei zu melden, wäre denen doch mehr geholfen
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AusgetretenCrow
18.11.2006 15:26

1x geändert, zuletzt am
18.11.2006 15:27

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warum man junge menschen einsperrt? weil sie verbrechen verüben, wie erwachsene auch.
das jugendstrafrecht gilt für menschen von 14 bis 21 jahren. in siegburg sitzen jugendstraftäter ein, die eine freiheitsstrafe von 3 monaten bis zu 10 jahren verbüßen. 10 jahre haft ist die höchste nach dem jugendstrafrecht verhängbare strafe. die gibt es dann für mord...

oder anders: menschen, egal ob jugendlich oder nicht, werden eingesperrt, wenn sie ne gefahr für die allgemeinheit darstellen. im rahmen der freiheitsentziehung soll ihnen dann beigebracht werden, wie sie künftig ohne straftaten zurecht kommen. man versucht perspektiven zu vermitteln, zum beispiel durch schulungs- und ausbildungsangebote o. ä.

aber richtig: einsperren ist verkehrt.
außerdem bliebe die frage, was du machen willst, wenn sie sich an gewisse auflagen nicht halten. fernsehverbot oder taschengeld streichen?
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Ausgetretenguylord
19.11.2006 08:33

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nein , Fernsehverbot und all der Quatsch nützen doch keinem etwas!Der junge Mann stammt aus einer "zerütteten" Familie, wie man so schön sagt, wohnte im tristen Stadtteil Rheindorf.Das Jugendcentrum musste einem "Einkaufscentrum" weichen ! Für Jugendliche wir da nichts mehr gemacht. Kein Wunder das die dann zu Straftaten neigen.Mit Schulswänzen fängt das doch meistens an und wenn Derjenige dann noch etwas labil ist......Hilfe kann man vom Jugendamt nicht erwarten.
Eben so weinig von Ämtern die nur sparen müssen.Hier wird falsch investiert. Der Jugend gehört die Zukunft, auch wenn Einige das nicht begreifen wollen oder........ können.

Viele Jugendliche werden doch erst im "Knast" zur Gefahr für die Allgemeinheit.Das Jugendstrafrecht sollte als Nächstes reformiert werden! Jugendknast bringt in der heutigen Zeit nichts mehr.Viel zu Viele sitzen, selbst nach einer erfolgreichen Ausbildung, arbeitslos auf der Straße.Wenn da nicht bald etwas passiert sehe ich schwarz für die
Zukunft unserer Jugend !

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AusgetretenCrow
19.11.2006 09:10

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prinzipiell hast du recht. das ist aber sicher nicht der fehler des jugendstrafvollzugs. da sollte man eher ursachen bekämpfen, statt symptome zu behandeln. das problem ist nicht ein wenig effizienter und zielgerichteter jugendstrafvollzug. das problem sind mangelnde perspektiven für die heutige jugend.
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Ausgetretenguylord
27.11.2006 11:20

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und den chronischen Geldmangel der Ämter nicht vergessen !LOL
Leider wird da viel zu viel gespart oder in falsche Organisationen
investiert.Wen wundert es das da für sinnvolle Perspektiven nichts mehr übrig bleibt !
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AusgetretenCrow
27.11.2006 15:15

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Damit sind wir einer Meinung
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Offlineteddybaer33 (34)
15.08.2007 01:42

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Ich frage mich allen ernstes was kommt da noch mann hört nur noch gewalt,missbrauch,unterdrückung und vieles mehr in welchen zeiten leben wir.Ich meine es liegt bei jedem selbst ob er sich so oder so verhält es gibt nun mal solche und solche die nur in gefängniss rein und wieder raus und sind sie drauen dann nur kurz weil sie drausen in der gesellschaft nicht zurecht kommen wenn mann da nicht die brechstange ansetzt dann sehe ich bald das ende für den Strafvollzug den dann gibt es nur noch nicht resozialiesirbar oder hoffnungslos ich appeliere an die politik machen sie was oder es läuft aus dem ruder

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