Hier endet alles.
lambdascan (27)
25.09.2011 16:00
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So ergab es sich, dass ich einen Tagesausflug zur Insel Juist unternahm. Ich gelangte per Bahn nach Norddeich Mole und lief dann zum Flughafen, der eine Dreiviertelstunde vom Bahnhof entfernt lag – ein Weg entlang des Deiches.
Ich hatte noch Zeit und erblickte schon länger nicht mehr das Meer. Es ist schon länger her, dass ich die Nordsee gesehen hatte. Doch hier an diesem Ort war ich bisher noch nie. So suchte ich mir eine gute Stelle, um über den Deich zu gelangen.
Oben angekommen eröffnete sich mir eine andere Dimension: das Watt lag vor mir, ich kannte es zuvor nur aus Reportagen. Dahinter hatte sich die Nordsee zurückgezogen. Kein Mensch weit und breit, eine ganz andere Kulisse, eine ganz andere Luft, eine ganz andere Sicht der Dinge. Alles war getaucht in der Morgenröte der noch tiefstehenden Sonne. So ging ich auf dem Deich entlang, meinen Schatten hinter mir lassend, vorbei an den Wellenbrechern, und fand schließlich eine kleine Treppe. Ich stieg sie hinab und tauchte ein in eine ganz neue Atmosphäre. Da saß ich vor dem mit Muschelschalen übersätem Watt. Kleine Pfützen auf ihm hatte die See zurückgelassen, aus diesen ein Knistern zu hören war; Luftblasen stiegen empor und zerplatzen in der geräuscharmen Seeluft. Aus der Ferne vernahm ich einzelne Möwengesänge, die in der Stille zerschallten und nachklungen. Die warme rote Morgensonne ergoss sich in die Bucht. Und am Horizont fuhren Fähren und Boote so still an den Ostfriesischen Inseln vorbei. Ich versank förmlich in dieser Umgebung und in meinem Kopf kam der Gedanke:
„Hier endet alles!“
Sieht so das Ende der Welt aus? Ist das der Zustand, wenn Zeiten zum Stillstand gelangen? Ein sonderbares Gefühl beschleicht mich, ein Gefühl der Unendlichkeit der Dinge, ein Gefühl von Loslassen und Geschehen, und doch das Gefühl, dem ganzen ausgeliefert zu sein, die Unendlichkeit nicht fassen zu können und sich in ihr zu verlieren, gefangen und verschlungen in der Stille der See. Ein sonderbares Gefühl beschleicht mich, vom eigenen Stillstand, von der eigenen Unendlichkeit, von der eigenen Vergänglichkeit; es war, als hätte man den sehnlichsten Wunsch im Herzen, dass diese Momente nie enden mögen – in einer Welt, die doch sonst sehr kurzlebig und verschwenderisch ist. Ein sonderbares Gefühl beschleicht mich, als sei man sich selbst suchen gegangen, als erkunde man die innere Stimme, als höre man in sich hinein und verschmilzt schließlich mit der Umgebung und dem immerwährendenen Bild, dass sich in den Kopf gebrannt hat. Ein sonderbares Gefühl beschleicht mich. So verweilte ich und versank in Melancholie …
Die Stille wurde je durchbrochen, als eine Chessnar aus der Ferne sich näherte und über meinem Kopf hinweg zog. Es war eines der Flugzeuge, mit denen man zu den Inseln mitfliegen konnte. Ich brach wieder auf und setzte meinen Fußmarsch zum Flughafen fort – mit geöffnetem Herzen für das Meer, wo alles endet.
20082011
23092011
24092011
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AW: Hier endet alles.
lambdascan (27)
17.11.2011 06:58
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Nachtrag:
Autor: lambdascan
Sorry, dass ich es nicht gleich erwähnt habe ...
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AW: Hier endet alles.
thomasdo1 (53)
27.02.2012 10:09
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sehr gut geschrieben, ein gedicht ist es zwar nicht trotzdem sehr gut. kann ich alles nach vollziehen war schon öfters da oben auch für längere zeit und kenn auch die momente alleine am strand und in gedanken versunken
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AW: Hier endet alles.
alleine58
27.02.2012 12:51
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Es ist eine Erzählung von Eindrücken an der Nordsee, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Ich bin ja ein Wasserkantenkind.
Sehr schön geschrieben. Gefällt mir sehr gut.
Thomas, die Überschrift des Forums heisst ja auch: Geschichten & Gedichte
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AW: Hier endet alles.
thomasdo1 (53)
27.02.2012 13:19
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ja habe es gerade gesehen, ist mir vorher wirklich noch nicht aufgefallen, na kann ja mal passieren
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AW: Hier endet alles.
alleine58
27.02.2012 13:22
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Es sei Dir verziehen.
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AW: Hier endet alles.
thomasdo1 (53)
27.02.2012 13:34
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danke ist ja zu gnädig von dir hartmut
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AW: Hier endet alles.
extrucker
29.02.2012 13:51
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sehr nett geschrieben,und ich muss gestehen,dass ich es aus
dieser sicht noch nie betrachtet habe.
Liegt wohl daran,dass ich hier aufgewachsen bin,und es als
selbstverständlich ansehe.
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AW: Hier endet alles.
thomasdo1 (53)
29.02.2012 14:09
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ja ich glaube das geht bei vielen sachen so, was die eigene region betrifft das man alles für selbstverständlich nimmt und erst wenn man von anderen was höhrt oder leist das man es dann auch mit anderen augen sehen kann
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